Gentleman: „Free Tibet!“ Chöre schallen vom TFF Rudolstadt

News am 9. Juli 2012 von Yoda

Einen krönenden, krachenden und würdigen Abschluß lieferten Gentleman & seine Band The Evolution beim TFF Rudolstadt 2012 ab – dieser Abend -und da sind wir ganz sicher- wird noch sehr lang im kollektiven TFF-Gedächtnis verbleiben.

Über eine furiose Show und ein Festival, das auch mit seinem diesjährigen Länderschwerpunkt China am liebsten völlig unpolitisch wäre.

Er stand noch nicht einmal auf der Bühne und schon hauchte der bekannteste deutsche Reggaemusiker zum Intro seiner Band vielfach die Worte „Free Tibet“ ins Mikrofon. Dieser Aufruf zog sich durch die gesamte Show und gipfelte in Sprechchören des TFF-Publikums, die nach einer der zahlreichen Zugaben nicht erneut ‚Zugabe‚, sondern ebenfalls ‚Free Tibet‚ riefen. Dass der Song „Freedom“ während der letzten Zugabe ebenfalls perfekt in diesem Kontext passte, braucht hier sicherlich nicht weiter ausgeführt zu werden.

 Zur Vorgeschichte: am Freitagabend verzögerte sich der Beginn des Auftritts von Tibetanischen Mönchen auf der Heidecksburg um mehr als eine halbe Stunde: es durfte erst begonnen werden, nachdem das Bildnis eines tibetanischen Heiligen (von ‚Penchen Lama‘, wie wir vermuten) abgeklebt wurde – initiiert durch den chinesischen Kulturattaché, der in Vertretung des Chinesischen Botschafters das Festival begleitete – so geschehen nach unseren Informationen. Erst nach ca.35 Minuten, als das Bild abgeklebt war, durften die Tashi Lhunpo Monks mit ihrer Darbietung beginnen.

Laut Veranstalter ist diese Information nicht richtig: der chinesische Kulturattaché war nur am Nachmittag sowie zur Eröffnungsveranstaltung in Rudolstadt, aber nicht bei dem Auftritt der Mönche. „Da wir selber nicht im Detail wussten, was dort geschehen würde, geschweige denn er, konnte er also auch nichts fordern oder verbieten.“ 

(Zur Pressekonferenz am Mittag lagen uns diese Informationen noch nicht vor, ansonsten hätten wir Euch jetzt sicherlich bereits ein Statement der Festivalleitung anbieten können. Nur soviel wurde während der Sonntags-PK in anderem Zusammenhang erklärt: man sehe sich als unpolitisches Festival und wolle den Fokus absolut und möglichst ausschließlich auf Kultur, Kunst und Traditionen legen und nicht politische Fragestellungen kommentieren. Unsere Anfrage nach einem Statement bzgl der Tashi Lhunpo Monks, wird sicherlich in Kürze beantwortet. Anm.d.Red.)

Man antwortete rasch auf unsere Anfrage, anbei die  Erläurterungen des Festivals zur beschriebenen Situation (oben bereits die Veranstalter-Info, dass die Sache wohl nicht vom chin. Kulturattaché ausging):

„Das Bild hätte den Panchen Lama gezeigt, genauer: einen der beiden, denn es gibt den, auf den sich die Tashi-Lhunpo-Mönche beziehen, und es gibt den, den die chinesische Regierung in Tibet eingesetzt hat. Da dies keine rein religiöse, sondern zumindest auch eine politische Frage ist, haben wir die Mönche gebeten, diese bei ihrem Workshop am Samstag zu erörtern, wo es Nachfragen und ggf. Diskussionen geben konnte. Das haben wir bspw. auch beim Länderschwerpunkt Israel zum Thema Palästina so gehandhabt, denn unabhängig davon, welche Meinung ich oder das Festivalteam oder der Bürgermeister vertreten, sind politisch umstrittene Statements von der Bühne, auf die niemand reagieren kann und wo sich evtl. eine Seite provoziert fühlt, immer extrem heikel. Und noch heikler, wenn diese Seite offizieller Festivalpartner ist und mithin völlig zu Recht einen gewissen Respekt erwarten darf, auch wenn man vielleicht die ein oder andere politische Verhaltensweise des Landes nicht billigt.

Eine Lösung der China/Tibet-Frage ist ein ebenso notwendiger wie langwieriger Prozess; dass sich bei einer Kulturveranstaltung China und Tibeter gleichberechtigt nebeneinander präsentieren konnten, ist ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Das Prozedere ist mühsam, auch für alle Beteiligten, und erfordert auch den einen oder anderen, gelegentlich sogar schmerzhaften Kompromiss; um den haben sich hier alle sehr ernsthaft und konstruktiv bemüht.“

Gentleman bekam im Voraus anscheinend Wind von dieser oder einer ähnlichen Geschichte und erklärte daher auch, dass er hörte, dass die Mönche eine ‚tibetanische Flagge‚ entfernen mussten, und er daher an diesem Abend Freiheit für Tibet propagiert. Dass er damit nicht das chinesische Volk, sondern die chinesische Regierung anspreche, stellte er ebenfalls klar.

„Eines der schönsten Konzerte, die wir in Deutschland spielten“, Gentleman.

Das Gentleman-Konzert bot aber noch viel über das politische Engagement hinaus! Eine emotionale Show, die reichlich tanzbare Beats, aber auch leise Töne lieferte. Zu einer Zugabe kam Gentleman allein ohne Band auf die Bühne und sang a capella den „Redemption Song“ von Bob Marley – einer der stimmungsvollen Höhepunkte des TFF 2012. Gentleman sag diese Nummer mit einer Stimme, die einem die Härchen auf den Armen aufstellte und auch hier und da für feuchte Augen sorgte. Das Publikum forderte eine Zugabe nach der nächsten, so dass sogar zwei Versuche der Festival-Abmoderation unterbrochen werden mussten undGentleman ein ums andere Mal zurückkam. Ein toller Festivalabschluß des TFF 2012.

Zuletzt gab’s eine TFF-Zwischenbilanz von der Pressekonferenz, sowie die TFF-Rückblicke von Samstag (1/2), Freitag und Donnerstag. Weitere Rückblicke folgen in unseren Festivalberichten. TFF-Bilder von den genannten Tagen gibt’s in unserer Galerie.

7 Kommentare zu “Gentleman: „Free Tibet!“ Chöre schallen vom TFF Rudolstadt”

  1. Nummer 1: TFF Rudolstadt 2012 – Der Sonntag | Festival News sagt:

    […] Gentleman nicht nur der einzige in Jamaika anerkannte Reggae und Dancehall-Musiker, sondern auch bekennender Anhänger der „Free-Tibet-Bewegung“. Das bekam man auch immer wieder während seines Konzerts zu hören, was unabhängig […]

  2. Nummer 2: paul sagt:

    „Unsere Anfrage nach einem Statement bzgl der Tashi Lhunpo Monks, wird sicherlich in Kürze beantwortet. Anm.d.Red.)

    die Antwort würde mich sehr interessieren

  3. Nummer 3: Besucher sagt:

    Nicht nur für ein freies Tibet machte sich Gentleman auf der Bühne stark sonder ebenfalls ein lautes „Legalize It“ schrie er am Anfang der Menge entgegen. Zur selben Zeit nahmen über all zwischen den Tansfestbesuchern Polizisten in Zivil und Uniform Aufstellung um zu schauen wo die Graswölkchen aufsteigen. Ganze 10 Minuten später änderte ich meinen Standort und musste mit ansehen wie eine Gruppe von 5 Polizisten in Zivilerkleidung sich um einen Familienvater setzten und mit der Durchsuchung von Taschen, Rucksack und Kinderwagen begonnen. Das ganze lief so geschickt und einstudiert ab das es wohl dem normalen Festivalbesucher nie aufgefallen wäre. Es war wohl nicht nur für viele Besucher ein gelungenes Wochenende, der Rechtsstatt hat sich sicherlich auch gefreut das man nach nunmehr 22 Jahren eingreift in den Festivalablauf und den Konsum von Marihuana Ringeros ahndet der nicht nur mir auf diesem Festival als geduldet erschien.

  4. Nummer 4: TFF Rudolstadt 2012 – Der Freitag | Festival News sagt:

    […] durchführen durften. (so waren unsere ersten Informationen, genaueres und weiteres dazu hier, […]

  5. Nummer 5: Festivalhopper Yoda sagt:

    @ Paul, die Erklärung aus Veranstaltersicht ist nun im Artikel oben ergänzt. :-)

  6. Nummer 6: paul sagt:

    danke an die redaktion
    und ich kann nur hoffen das Tibeter auch mal Festivalpartner sind
    oder direkter „Geld regiert die ….
    man hätte ja auch sagen können dieses kleine bild is ok und wir sind hier in deutschland und nicht in China
    denn es gibt keine unpolitische welt mehr das sollte klar sein
    aber ok ich möchte den job da auch nich machen
    peace

  7. Nummer 7: TFF Rudolstadt präsentiert Programm 2013 sagt:

    […] von 3€ auf 5€ steigen. Zur erweiterten Vorfreude könnt ihr gern in unsere Rückblicke aus dem letzten Jahr schauen, auch das Interview mit Shantel “Wie ein Alien” ist zu […]

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